Die Zeit verging unendlich langsam. Ob er seit
einer Stunde hier hing oder ob es bereits fünf
waren - er konnte es nicht sagen. Seine Herrin
hatte ihn hier auf dem Bock festgekettet und
war dann gegangen. Er war mit dem Bauch auf
den harten Lederbock gespannt und Beine und
Arme waren stramm festgebunden. Seine Arme spürte
er schon gar nicht mehr, die waren schon vor
längerer Zeit eingeschlafen. Seine Beine
kribbelten unangenehm, so als würden tausend
Ameisen durch seine Blutbahn laufen.
Aber
er würde es ertragen. Für seine Herrin
Barbara. Weil er sie abgöttisch liebte.
Er mühte sich jeden Tag, ihre Liebe neu
zu erringen. Dass sie ihn liebte, sagte sie
ihm nur sehr selten. Aber etwas häufiger
ließ sie ihn spüren, was sie für
ihn empfand. Wenn er sich abends im Bett neben
sie legen durfte, anstatt zu ihren Füßen
zu liegen oder wenn sie ihm in der Öffentlichkeit
einen Kuss gab.
Babara war seine Herrin. Wenn das Spiel von
Dominanz und Unterwerfung auch hauptsächlich
sexueller Natur war, so strahlte es doch auch
in den Rest des täglichen Ablaufs aus.
Er kannte auch Pärchen, die schlüpfen
erst hinter verschlossenen Türen in sexueller
Erregung in ihre Rollen. Aber Barbara und er
waren immer Herrin und Sklave. Wenn er sich
auch manchmal fragte, ob er so den Rest seines
Lebens verbringen wollte, gefiel ihm seine Rolle.
In seinem Beruf als freiberuflicher Architekt
konnte er andere nach seiner Nase tanzen lassen.
Da war es schön, nach Hause zu kommen und
das Heft in ihre Hände zu geben. Barbara
war eine dominante Persönlichkeit, sie
konnte gar nichts anderes als herrschen.
Er hatte "Babs", so nannte sie sich
damals, in einem Chat kennen gelernt. Ein ganz
normaler Flirt-Chat. Wochenlang hatten sie sich
nur virtuell unterhalten. Anfangs sprachen sie
über ganz allgemeine Themen, irgendwann
deutete sie dann an, dass sie sexuell nicht
dem Main-Stream entsprach. Er informierte sich
darauf hin im Internet und kaufte sich Bücher
zum Thema BDSM. Der Gedanke, ihr zu Willen zu
sein, reizte und erregte ihn. Aber damals wusste
er noch nicht, ob das nur der Reiz des neuen,
des Unbekannten und des verruchten Rufes dieser
Art des Sex war, oder ob ihm das wirklich gefallen
würde.
Sie suchte einen unerfahrenen Sklaven, den sie
erziehen konnte. Einen in der Szene schon lange
"benutzten" Mann wollte sie nicht.
Ihr ging es auch nicht nur um die sexuelle Komponente,
sondern auch um das Zwischenmenschliche.